Hilfe für Gebäudebrüter in Berlin
An den Friedhofspark in der Pappelallee grenzt eine Hauswand, deren Fassade schon seit vielen Jahren etliche Löcher in der Dämmung hat: Perfekt für den Haussperling, uns allen als Spatz bekannt. Über Jahre beobachtete ich die Vögel, wie sie mit Nistmaterial oder Futter für den Nachwuchs in ihre “Wohnungen” hineinschlüpften und schnell wieder ausflogen, um für Nachschub zu sorgen. Da Grashalme aus manchen der Öffnungen hingen, war deutlich zu erkennen, dass sie bewohnt sind - vom Erdgeschoss bis hoch zum Dach. Der Sperling ist ein typischer Gebäudebrüter, der solche Spalten, Ritzen und Hohlräume an Hauswänden und beispielsweise auch unter Dachziegeln liebt und sehr gerne nutzt. Und wenn er einen solchen Ort gefunden hat, dann bleibt er ihm treu. Standorttreue ist der Fachbegriff dafür, und die ist bei Sperlingen besonders ausgeprägt, sie bewegen sich in der Brutzeit meist nicht weiter als 100 Meter vom Nest weg.
Immer häufiger stolperte ich in Artikeln und Posts in den Sozialen Medien darüber, dass diese Brutmöglichkeiten in großer Zahl verloren gehen. Darunter leiden nicht nur die Sperlinge sondern auch Mauersegler, Turmfalken, Hausrotschwanz, Mehl- und Rauchschwalben sowie Fledermäuse. Auch Bachstelzen gehören gelegentlich dazu und jetzt verstehe ich erst, weshalb ich immer mal wieder eine Bachstelze auf dem Hof der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg entdecken konnte, sie hatte dort ihren Platz gefunden.
Das Thema ließ mich nicht los und ich entdeckte die Meldeplattform des NABU. Dort trug ich 2021 die Sperlingsquartiere in der Pappelallee samt Foto ein. Die Plattform ist ganz einfach und ohne Anmeldung zu nutzen. Die Meldungen werden von ehrenamtlich tätigen Menschen überprüft und teilweise auch kontrolliert. Bei meiner Meldung von 2021 entdeckte ich jetzt, dass 2024 eine Kontrolle mit ergänzenden Kommentaren erfolgte. Und darüber war ich sehr dankbar, denn kurz vorm letzten Wochenende war es passiert:
Ein Netz verschloss die Bruthöhlen
Es war über die ganze Breite der Wand gespannt, bis zur Hälfte des ersten Stockwerks reichend, alle darüber liegenden Bruthöhlen - etwa 25 Stück - verspachtelt! Die Sperlinge versuchten verzweifelt zu ihren Nestern zu gelangen, krallten sich am Netz fest und steckten den Kopf von oben dahinter. Sehr gefährlich, denn die Krallen der Vögel können sich verfangen und in Panik könnten sie sich schwer verletzen oder sogar zu Tode kommen.
Was ist bei einem Verstoß gegen den Artenschutz zu tun?
Glücklicherweise erreichte ich sofort jemanden beim Umwelt- und Naturschutzamt in Pankow und meldete die Situation, machte Fotos und schickte sie per E-Mail an die Behörde. Es wurde mir versichert, dass sich umgehend gekümmert wird. Am Abend schaute ich noch einmal nach, noch war nichts geschehen. Auch am nächsten Morgen hing das Netz noch. Ich hatte inzwischen über die wirklich wunderbaren Menschen vom Gut zu Vögeln-Podcast weitere Informationen, Kontakte und moralische Unterstützung bekommen und konnte die nun einsetzen. Dann endlich ein Anruf vom Amt in Pankow, dass die Hausverwaltung des Gebäudes das Netz im Laufe des Tages entfernen lassen wird. Um die Mittagszeit kam ich von einer meiner Stadtführungen zurück und da konnte ich tatsächlich beobachten, wie es von der Befestigung geschnitten wurde. Fotos und Videos dazu findet ihr bei Instagram @wiebkewie.
Zurück zum Online-Formular zur Meldung von Gebäudebrütern in Berlin
Wenn ihr den Erhalt von Lebens- und Fortpflanzungsorten von Gebäudebrütern in Berlin unterstützen wollt und welche entdeckt, dann meldet sie ganz einfach. Und wenn ihr außerdem die Zeit habt, dann schaut immer wieder vor allem an den Orten vorbei, wo möglicherweise eine Sanierung oder sogar ein Abriss bevorsteht. Denn eine Meldung in der Datenbank lässt nachvollziehen, dass dort Lebewesen vorhanden sind, die besonders geschützt sind. Dann müssen die geplanten Arbeiten verschoben werden und in jedem Fall Ersatznistplätze geschaffen werden. Meine Meldung zu dem Standort sieht so aus.
Wir alle können mit relativ wenig Einsatz von Zeit oder anderen Ressourcen mithelfen
Denn es sind nicht nur die großen Abrissarbeiten wie am Jahn-Stadion, wo brütende Sperlinge diese stoppen konnten, nun aber dennoch ohne Rücksicht gerodet wird. Sondern häufig geschehen kleinere Verstöße gegen den Artenschutz direkt am eigenen Wohnhaus oder in der Nachbarschaft und die sind in der Summe eine enorme Bedrohung für die Lebewesen, die unseren Schutz und unsere Unterstützung benötigen.
In der Pappelallee setze ich mich nun dafür ein, dass schnellstens Ersatznistplätze für die komplett verschlossenen Öffnungen eingerichtet werden. Dafür müssten Kästen an der Hauswand installiert werden. Ich hoffe sehr, dass das Umwelt- und Naturschutzamt in Pankow auch dranbleibt. Nicht immer handeln die Behörden so rasch wie ich es im Zusammenhang mit dem Netz erleben durfte. Danke dafür!
Schreibt mir gerne bei Fragen oder wenn ihr in einem Fall Unterstützung braucht.
Ich versuche euch so gut es geht zu helfen, arbeite mich aber auch gerade selbst noch weiter in das Thema ein.